Die leise Sucht

von Susanne E. Kaiser

Die Superfrauen von heute sind attraktiv, erfolgreich, niemals müde oder schlecht gelaunt. Um leistungsfähig zu bleiben, greifen viele zu Alkohol und Tabletten

frauen und sucht Ein Gläschen Wein zum Abschalten: Die Sucht bei Frauen beginnt leise
Bild: PhotoDisc

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"Abhängigkeit ist schwer einzugestehen"

Die Alkohol- und Tablettenabhängigkeit bei Frauen ist kein Problem von sozialen Randgruppen. Drei Viertel aller Frauen, die sich wegen ihrer Alkoholkrankheit zu einer Beratungsstelle begeben, sind berufstätig. Rund die Hälfte lebt in einer festen Beziehung, viele haben Kinder. Untersuchungen des EU-Projekts "Alkoholkonsum und Alkoholprobleme bei Frauen in europäischen Ländern" ergaben, dass Frauen im mittleren Alter mit guter Ausbildung und höherem sozialen Status deutlich mehr Alkohol trinken als andere Frauen. Je länger die Ausbildung, desto höher liegt der tägliche Alkoholverbrauch. Die täglich konsumierte Alkoholmenge sagt zwar nichts über eine Abhängigkeit aus, doch mit steigender Menge und Regelmäßigkeit steigt auch das Risiko, süchtig zu werden.

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Raus aus der Sucht

In Sachen Abhängigkeit gebe es Unterschiede zwischen Frauen und Männern, betont Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der DHS. "Viele süchtige Frauen suchen die Schuld nur bei sich selbst. Männer dagegen machen eher andere Menschen oder Lebensumstände für ihre Sucht verantwortlich." Frauen gingen außerdem in Beratungsgesprächen sehr früh aus sich heraus. Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Wohngemeinschaften bieten deshalb gezielte Hilfe für weibliche Suchtkranke an.

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Süchte und Abhängigkeiten im Leben von Frauen

süchte und abhängigkeiten 1In unserer Gesellschaft sind Süchte und Abhängigkeiten eine allgegenwärtige Erscheinung. Die Art und Weise, wie sich das Phänomen Sucht in unserer Kultur manifestiert, ist jedoch neu in der Geschichte der Menschheit, ist eine Erfindung der Moderne. Menschen haben zu allen Zeiten und in allen Kulturen bewusstseinsverändernde Drogen zu sich genommen, um in Kontakt mit den Göttern zu treten, tiefere Erkenntnisse zu gewinnen und Krankheiten zu heilen. Die Einnahme dieser Substanzen war jedoch immer so hochgradig reguliert und in feste Rituale eingebunden, dass es zu Suchtzuständen im Sinne von absoluter Fixierung und psychischer und physischer Abhängigkeit nicht kommen konnte. Die Etymologie des Wortes "Sucht" in unserer Sprache ist sehr aufschlussreich. Sucht kommt vom gotischen siukan, krank sein - das Wort "siech" erinnert noch daran - und bis ins 16. Jahrhundert bezeichnete es schlicht jede Art von Krankheit, wie Fallsucht (Epilepsie), Schwarze Sucht (Cholera), usw. Das Konzept der Sucht in unserem modernen Sinne existierte überhaupt nicht.

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Ursachen von Süchten und Abhängigkeiten bei Frauen

süchte und abhängigkeiten 3Weder in der Medizin noch in den Sozialwissenschaften finden sich wirklich befriedigende Erklärungen für die Entstehung von Sucht, aber es herrscht Einigkeit darüber, dass es sich um ein "multifaktorielles Geschehen" handelt. Dennoch lassen sich bei Frauen eine Reihe von geschlechtsspezifischen Faktoren feststellen, die auf die eine oder andere Art und Weise das Suchtverhalten fördern. Eine grundlegende Vorbedingung ist die geschlechtsspezifische Sozialisation. Frauen müssen gefallen, gefällig sein, um überleben zu können - das wird ihnen zumindest in der Erziehung suggeriert. Die eigenen Bedürfnisse müssen zurückgeschraubt, eigene Wünsche unterdrückt werden. Wenn die daraus entstehenden Konflikte unerträglich werden, entwickeln Frauen psychosomatische Symptome, Depressionen oder greifen zu Drogen. Mit einer selbst gewählten Abhängigkeit tun manche Frauen zum ersten Mal in ihrem Leben etwas für sich selbst, ohne erlerntes Verhalten dafür aufgeben zu müssen.
 
Auch in den Biographien süchtiger Frauen fallen wiederholt die Gewalt Erfahrungen der Betroffenen in der Kindheit auf. Jede Frau in unserer Gesellschaft ist der strukturellen Gewalt ausgesetzt, die gesellschaftsimmanent ist und die Geschlechterverhältnisse mitdefiniert. Prinzipiell richtet sich Gewalt von Männern gegen Frauen, und auch sexuelle Gewalt und Gewalt in der Familie dient dazu, bestehende Machtstrukturen zu festigen.

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Frauen schlucken und schweigen!

Reinen Schätzungen zu folge stellt sich die Geschlechtsrelation wie folgt dar:
  • Von den insgesamt 2,5 Millionen geschätzten stark gefährdeten oder alkoholabhängigen Menschen in Deutschland sind etwa 1/3 Frauen.
  • Von den bis zu 1,4 Millionen Menschen als medikamentenabhängig eingeschätzten Menschen sind 2/3 Frauen.
  • Von den ca. 10 Millionen süchtigen Rauchern sind 1/3 Frauen.
  • Von den etwa 160.000 Drogenabhängigen sind etwa 30-40% Frauen.
  • Bei der Zahl der Essgeschädigten ist sogar von einem Frauenanteil von bis zu 90% auszugehen.
  • Darüber hinaus, so schätzt man, sind abhängige Frauen oftmals mehrfach abhängig (= gleichzeitige Einnahme von Alkohol, Drogen und Medikamenten, evtl. auch zusätzlich bestehende Essstörungen)

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Wege aus der Abhängigkeit

süchte und abhängigkeiten 4jpgSchätzungsweise 1,8 Millionen Frauen in Deutschland sind abhängig von illegalen Drogen, Alkohol und Medikamenten. Statistisch nicht erfasst wird die wahrscheinlich ungleich höhere Zahl von Frauen, die von der Sucht ihrer Angehörigen mitbetroffen sind und ebenfalls dringend Hilfe benötigen. Zur Zeit stehen etwa 1200 ambulante Beratungsstellen und etwa 18000 stationäre Plätze für Entwöhnung und Rehabilitation innerhalb der konventionellen Suchtkrankenhilfe zur Verfügung. Aber die Existenz dieser Einrichtungen sagt noch nichts über ihre Effektivität aus. Gerade in Bezug auf Frauen ist der Nutzen der vorhandenen Therapien und Therapiekonzepte in jüngerer Zeit in den Blickpunkt - besonders der feministischen - Kritik geraten, denn die Hilfsangebote sind aufgrund ihrer an der Gesamtgesellschaft orientierten Struktur äußerst problematisch, oftmals sogar frauenfeindlich. Daher sind dauerhafte therapeutische Erfolge selten, und Rückfälle an der Tagesordnung. Dieses Versagen wird jedoch dem Individuum angelastet, niemals der Institution.

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Literaturliste

Geier, Reinhild. "Den Hintern vollsaufen und dann ins Bett". In: Spinnt die Frau? Ein Lesebuch zur Geschlechterfrage in der Psychiatrie, hg. von Doris Schneider und Gabriele Tergeist, Bonn 1993, S. 187-195.

Hennings, Emmy. Morfin. In Cabaret Voltaire MCMXVI, Reprint Edition Nautilus, Hamburg: Verlag Lutz Schulenburg 1984.

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Alkohol in der Schwangerschaft

Alkohol ist die häufigste bekannte Substanz, die Fehlbildungen in der Schwangerschaft verursacht. Vor 20 Jahren wurde erstmals vermutet, daß Alkoholismus in der Schwangerschaft zu einer spezifischen Kombination von Fehlbildungen, dem sogenannten "fetalen Alkoholsyndrom", führen kann. Die betroffenen Kinder sind sowohl körperlich als auch geistig-intellektuell und in ihrer sozialen Reifung beeinträchtigt. In Deutschland werden jährlich etwa 2000 Kinder mit dieser Kombination von Fehlbildungen geboren, nicht gerechnet die gering ausgeprägten Formen einer Alkoholschädigung, die sich z.B. nur als Konzentrationsstörungen bemerkbar machen.

Wie wirkt sich Alkohol schädigend auf das Kind aus?

Alkohol (genauer gesagt: Äthanol bzw. Äthylalkohol) wird nach dem Trinken rasch aus Magen und Darm ins Blut aufgenommen.

Maximale Konzentrationen werden im Blut 1-2 Stunden nach dem Trinken erreicht.

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Welche Mengen Alkohol sind in der Schwangerschaft bedenklich?

Bislang ist ungeklärt, ob gelegentlicher Alkoholgenuß in der Schwangerschaft völlig ungefährlich für die Entwicklung des Kindes ist. Das Vorkommen einer spezifischen Kombination von kindlichen Fehlbildungen und Auffälligkeiten, das sogenannte "fetale Alkoholsyndrom" wurde jedoch bisher nur bei alkoholkranken Müttern beschrieben, also bei Frauen, die regelmäßig größere Mengen von Alkohol tranken. Insbesondere das regelmäßige Trinken von Alkohol ist also gefährlich.

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