Wilde Bühne im Kossehof Meppen

Eine Veranstaltung des Freundeskreises Emsland e.V.

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mabl Meppen. Zum Auftakt der Aktionswoche Alkohol hat der Verein Freundeskreis Emsland die Wilde Bühne Bremen für einen Auftritt in Meppen gewinnen können.
Die Bremer Theatergruppe, die größtenteils aus Menschen mit eigenen Suchterfahrungen besteht, führte ihr Stück „Unser Flüssigbrot“ im Kossehof auf. Mit den Worten „Selbsthilfegruppe heißt nicht nur Stuhlkreis, sondern auch die Menschen zu begleiten“ unterstrich Alfred Hinrichs, Gruppenbegleiter des Freundeskreises in Haren, gegenüber den mehr als 160 Gästen die Bedeutung derartiger Veranstaltungen für Suchtbetroffene. Michaela Uhlemann-Lantow, Theaterpädagogin, Gründerin der Wilden Bühne und Schauspielern, dankte im Vorfeld für das Engagement und auch die Bewirtung im Kossehof.
 
In dem Stück werden die Auswirkungen von Alkoholismus auf Familien verdeutlicht. Mithilfe von nur sieben Holzkisten und einem kleinen Tisch erfüllten die Schauspieler die Bühne mit Leben, in diesem Fall dem Leben von vor etwa 100 Jahren.

Die Thematik ist aktuell wie eh und je: Der Vater, traumatisiert durch Kriegserlebnisse, trinkt. Die Kinder Ludwig und Theresa sowie Mutter Marie leiden darunter und gehen unterschiedlich mit der Situation um. Während Marie depressiv wirkt, flüchtet sich Tochter Theresa in ihre Traumwelt, schreibt Tagebuch. Bruder Ludwig wirkt anfangs ähnlich, verliert sich im Verlauf des Stücks aber selbst im Alkohol.

Geschickt verwoben mit der Geschichte der Familie ist die der historischen Figur Ottilie Hoffmann. Die Bremerin, 1835 geboren und zunächst als Lehrerin tätig, gründete 1891 den Bremer Mäßigungsverein, der sich mit Speisehäusern für die Abstinenz einsetzte und den Arbeitern eine Alternative zum ansonsten ausgeschenkten Bier und Branntwein bot.

Im Anschluss an das Stück standen einige der Schauspieler des Stücks, das sonst häufig als Präventionsprojekt an Schulen aufgeführt wird, für Fragen bereit. Neben der spannenden Lebensgeschichte der 61 Jahre alten Rita, die Ottilie spielte, interessiert die Zuschauer vor allem Kais Geschichte. Bevor er vor etwa drei Jahren zur Wilden Bühne stieß, lebte der damals 25-Jährige in Bokeloh. Nach Bremen ging er, um nach einer 21 Wochen andauernden Entzugstherapie in Sögel seinem damaligen Umfeld zu entfliehen und einen Neustart ohne Alkohol und Drogen zu wagen. Noch heute ist der Schauspieler, der in „Unser Flüssigbrot“ den jungen Ludwig spielt, SV-Meppen-Fan.Da der Ausgang des Stückes offen blieb, bot sich im Anschluss eine Diskussion über die mögliche Zukunft der Protagonisten an. Dabei reichten die Ideen des Publikums von hoffnungsvollen Prognosen des Trockenwerdens bis hin zu traurigen Schicksalen ohne Besserung.Dank der Sponsoren, zu denen neben der AOK Gesundheitskasse neun lokale Unternehmen gehörten, konnte nicht nur ein freier Eintritt ermöglicht werden: Im Anschluss standen für das Publikum Kaffee und Kaltgetränke kostenlos zur Verfügung. Zudem kündigte Alfred Hinrichs aufgrund der positiven Resonanz an, über die Ausrichtung ähnlicher Veranstaltungen in der Zukunft nachzudenken.
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Fotos und Artikel von Mascha Abeln
Quelle NOZ – Meppener Tagespost