Raus aus der Sucht

In Sachen Abhängigkeit gebe es Unterschiede zwischen Frauen und Männern, betont Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der DHS. "Viele süchtige Frauen suchen die Schuld nur bei sich selbst. Männer dagegen machen eher andere Menschen oder Lebensumstände für ihre Sucht verantwortlich." Frauen gingen außerdem in Beratungsgesprächen sehr früh aus sich heraus. Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Wohngemeinschaften bieten deshalb gezielte Hilfe für weibliche Suchtkranke an.
 
Zum Weg aus der Sucht gehört immer auch die Entgiftung. Diese sollte unter Aufsicht stationär oder ambulant in einer Klinik erfolgen. Bis zu acht Wochen kann der körperliche Entzug bei schwerer Beruhigungsmittelabhängigkeit dauern, die Entgiftung nach Alkoholmissbrauch eine gute Woche. Es reicht aber nicht, nur den Körper zu entgiften. "Wir wollen die Betroffenen auch seelisch so weit stabilisieren, dass sie das für sie beste Hilfsprogramm annehmen können", erklärt Hansjürgen Keller, Chefarzt am DRK Krankenhaus Mark Brandenburg in Berlin. Der Zeitraum von sieben Tagen, den die Krankenkassen in der Regel für den Entzug bewilligen, ist meist zu knapp, um die Patienten auf den nächsten großen Schritt, die Therapie, vorzubereiten. "In sieben Tagen machen wir die Leute nur fit für den nächsten Rückfall", klagt Keller. Die anschließende Therapie, finanziert von der Sozialversicherung, besteht aus Psychoanalyse, Gruppentherapie und anderen Maßnahmen - je nach Patientin und Krankheitsbild. Stationär in einer Fachklinik dauert die Therapie drei bis vier Monate, in ambulanten Einrichtungen bis zu einem Jahr. Doch auch danach ist die Patientin nicht vor einem Rückfall sicher - der Alkohol muss für immer tabu bleiben.
Susanne E. Kaiser ist freie Wissenschaftsjournalistin in Berlin.