Süchte und Abhängigkeiten im Leben von Frauen

süchte und abhängigkeiten 1In unserer Gesellschaft sind Süchte und Abhängigkeiten eine allgegenwärtige Erscheinung. Die Art und Weise, wie sich das Phänomen Sucht in unserer Kultur manifestiert, ist jedoch neu in der Geschichte der Menschheit, ist eine Erfindung der Moderne. Menschen haben zu allen Zeiten und in allen Kulturen bewusstseinsverändernde Drogen zu sich genommen, um in Kontakt mit den Göttern zu treten, tiefere Erkenntnisse zu gewinnen und Krankheiten zu heilen. Die Einnahme dieser Substanzen war jedoch immer so hochgradig reguliert und in feste Rituale eingebunden, dass es zu Suchtzuständen im Sinne von absoluter Fixierung und psychischer und physischer Abhängigkeit nicht kommen konnte. Die Etymologie des Wortes "Sucht" in unserer Sprache ist sehr aufschlussreich. Sucht kommt vom gotischen siukan, krank sein - das Wort "siech" erinnert noch daran - und bis ins 16. Jahrhundert bezeichnete es schlicht jede Art von Krankheit, wie Fallsucht (Epilepsie), Schwarze Sucht (Cholera), usw. Das Konzept der Sucht in unserem modernen Sinne existierte überhaupt nicht.
Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Begriff Sucht von dem der Krankheit abgelöst, während von nun an mit Sucht ein Laster, ein unkontrolliertes und moralisch verwerfliches Verhalten, bezeichnet wurde. Noch im 19. Jahrhundert verstanden die europäischen Gesellschaften unter Sucht eine krankhafte Verformung des Charakters, z. B. als "Machtsucht". Der für die zukünftige Entwicklung maßgebliche Bedeutungswandel des Suchtkonzeptes fand im Zusammenhang mit der Neudefinition des Alkoholismus statt. Dieser stellte aufgrund der Industrialisierung und besserer Verfügbarkeit hochprozentiger alkoholischer Getränke ein gehäuft auftretendes Problem dar und wurde nun nicht mehr als Laster oder persönliche Schwäche, sondern als Krankheit verstanden.

In der Folge weitete sich diese Definition auf alle substanzgebundenen Abhängigkeiten aus. Eine Zeitlang wurde auch von der Annahme ausgegangen, dass die psychotropen Substanzen selbst, mit ihren spezifischen chemischen Eigenschaften, die Sucht unmittelbar verursachten, aber dieses Modell stand in Widerspruch zu der beobachteten Realität. Inzwischen hat sich in der Medizin und der Psychologie der Begriff der "Abhängigkeit" durchgesetzt, ohne dass klar definiert werden kann, welches die tatsächlichen Ursachen für die Herausformung süchtiger Verhaltensmuster sind. Es scheint jedoch klar, dass es sich um denselben Mechanismus handelt, der sowohl substanzgebunden als auch anderen, "metaphorischen" Süchten, wie Spiel-, Ess- oder Arbeitssucht, zugrunde liegt.