4. Wie wird man Alkoholiker?

Niemand kann bisher genau sagen, warum er oder sie Alkoholiker wird und andere nicht. Bei indianischen und einigen asiatischen Völkern hat man das Fehlen eines für den Alkoholabbau verantwortlichen Enzyms gefunden, was erklärt, warum z. B. nordamerikanische Indianer extrem anfällig sind für diese Krankheit. Trotzdem gibt es auch bei ihnen Menschen, die mit Alkohol umgehen können.

Oder warum gibt es bei europäischen Völkern, die über dieses Enzym verfügen, Menschen, die eben nicht mit dem Alkohol so umgehen können wie ihre Mitmenschen? Liegt es an der Erziehung? Das unterstützt die Statistik insofern, als das viele Alkoholiker aus Familien kommen, in denen viel getrunken wurde. Vielleicht zieht hier fatalerweise auch die Vorbildfunktion des Elternhauses.
Aber sie ist keine zwingend ablaufende Automatik. Oft trinken Menschen aus einem Haus, in dem extrem getrunken wurde, gar nichts, weil sie die Missstände, die durch den Alkohol entstanden, bewusst damit in Verbindung bringen und darum diesen Stoff meiden.

Ein anderer Einstieg kann das weitere soziale Umfeld, der Freundeskreis sein. Wenn dort viel und exzessiv getrunken wird, mag das eine Möglichkeit sein, den Alkohol als Droge zu entdecken, auch für Menschen, die aus ihrem Elternhaus keinen gesteigerten Alkoholkonsum kennen gelernt haben. Hier funktioniert der Gruppenzwang.

Beruflicher Druck, das Gefühl, bestimmte Leistungen bringen zu müssen, der Wunsch, gesellschaftlichen Normen zu entsprechen, unverschuldetes persönliches Leid wie der Tot eines Kindes, Ehescheidung, Verlust eines Körperteils, schwere Krankheit und alles andere, was das Leben uns so manchmal an Unannehmlichkeiten oder harten Rückschlägen zu bieten hat, können natürlich ebenfalls zum Trinken führen.