Medikamente

Medikamente sind synthetische oder natürliche Stoffe, mit denen man die Beschaffenheit, den Zustand oder die Funktion des menschlichen Körpers bzw. seelische Zustände im heilenden Sinne beeinflussen kann. Wer Medikamente zwanghaft und wegen ihrer seelischen Wirkung langandauernd einnimmt, ist abhängig. Oft wird das Suchtmittel während einer ärztlichen Behandlung kennen gelernt und die Einnahme erscheint auch bei selbständiger längerer Verwendung erlaubt (legitimiert) zu sein.
Medikamentenabhängigkeit ist schwer zu erkennen ( keine "Fahne", rasche Einnahme...) und bleibt deshalb oft lange ohne Behandlung. Bei der Einführung neuer Arzneimittel achtet man nicht immer ausreichend auf ihr Suchtpotenital und durch die Werbestrategien trägt die Pharmaindustrie zuweilen selbst zur Verbreitung des Missbrauchs bei.

Ein Film der DHS - Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. zum Medikamenten-Missbrauch
 
Schmerz- und Hustenmittel (Analgetika / Antitussieva )
Diese Mittel lindern Schmerzen, regen an und haben (Codein) manchmal auch eine euphorisierend Wirkung. Sie täuschen ein angenehmes Körpergefühl vor und können, vor allem als Kombinationspräparate, eine psychische Abhängigkeit erzeugen.

Langzeitfolgen: psychische Abstumpfung, Leber- und Nierenschäden
 
Dämpfende Mittel und Schlafmittel (Hypnotika, Sedativa)
Barbiturate oder Tranquilizer (z. B. Valium) wirken beruhigend, angst- und spannungslösend, erregungsdämpfend oder schlaffördernd. Sie sind die am meisten angewandten Suchtmittel in Tablettenform. Früher wurde das Abhängigkeitspotential (körperlich und seelisch) dieser Substanzen stark unterschätzt. Dementsprechend sorglos war die ärztliche Verschreibungspraxis bei diesen kurzfristig hochwirksamen und den Patienten schnell entlastenden Medikamenten. Mittlerweile gelten wesentlich strengere Verordnungsrichtlinien.

Langzeitfolgen: Nachlassen von Reaktions- und Konzentrationsvermögen. Schäden an Blutbild, Kreislauf, Leber, Persönlichkeitsabbau
 
Aufputschmittel (Stimulantien, zentral erregende Mittel, Appetitzügler)
Diese Mittel wirken vorübergehend leistungssteigernd, beseitigen Hungergefühl und Schlafbedürfnis und verleiten zur Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit. Nach dem Absetzen bleibt ein Erschlaffungsgefühl und eine Katerstimmung mit körperlichen Missempfindungen, depressiver Tönung oder Angstzuständen, die zur weiteren Einnahme verführen. Längerer Missbrauch kann zu körperlichem Verfall und zu schizophrenieartigen psychotischen Zuständen führen. Nicht selten entsteht ein Teufelskreis der gleichzeitigen Abhängigkeit von Aufputschmitteln morgens und Schlafmitteln abends.

Langzeitfolgen: schwere Organstörungen und Herzversagen möglich.

Statistik: Die geschätzte Zahl behandlungsbedürftiger Abhängiger in Deutschland liegt bei rund 1,4 Millionen. Etwa zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Hinzu kommt der Medikamentenmissbrauch von Alkohol- und Drogenabhängigen.