Essstörungen

90 % der an Essstörungen leidenden Personen sind weiblich. Beratungsstellen berichten aber von einer Zunahme des Anteils männlicher Ratsuchender. Es werden drei Formen gestörten Essverhaltens unterschieden. Trotz aller äußerlichen Verschiedenheiten haben die an Essstörungen Leidenden vieles gemeinsam. Zum Beispiel die Fixierung auf Fragen der Ernährung, ein verzerrtes Körperbild und fehlende Akzeptanz des eigenen Körpers sowie die mangelnde Fähigkeit zu unbeschwertem Genießen. Zwischen den einzelnen Formen gestörten Essverhaltens sind die Grenzen fließend. So erlebt etwa die Hälfte der Magersüchtigen auch Phasen der Ess-/Brechsucht mit extrem negativen Folgen für ihr Selbstwertgefühl, während diejenigen,
die normalerweise unter ihren Essanfällen leiden, auch Zeiten kennen, in denen sie wie die Magersüchtigen und mit der gleichen Befriedigung hungern. Weit verbreitet ist zusätzlicher Alkohol- und Medikamentenmissbrauch (z. B. Appetitzügler, Abführmittel, harntreibende Mittel - mit dem Ziel einer Gewichtsreduktion). Diese Mittel führen zu Wasserverlust - daher die vermeintliche Gewichtsabnahme - und dadurch zu einer Senkung des Natrium- und Kalium-Spiegels. Folgen: ernste Rückwirkungen auf die Nieren und die Herzmuskulatur. Ausbildung einer Osteoporose. Der natürliche Ablauf des Stoffwechsels wird behindert, erneuter Medikamentenmissbrauch ist die Folge.
 
 
Fettsucht (Adipositas)
Eine Essstörung liegt dann vor, wenn die Beschäftigung mit dem eigenen Körpergewicht und ständiges Diäthalten den Alltag dominieren; das zentrale Merkmal süchtigen Verhaltens, die Kontrollunfähigkeit, ist allerdings nicht gegeben.

Gefahren: Essanfälle oder permanentes Essen führen zu erheblichem Übergewicht, das Herz, Kreislauf und Skelett überlastet und auf lange Sicht Diabetes, Gicht, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Gelenkleiden begünstigt.

Folgen: Die Betroffenen leiden an Minderwertigkeitsgefühlen, Kontaktschwierigkeiten und sozialer Diskriminierung.
 
 
Ess- / Brech-Sucht (Bulimia nervosa, Bulimie)
Diese Sucht ist gekennzeichnet durch einen Kreislauf aus Heißhungeranfällen und Selbstausgelöstem Erbrechen. Sie sind meist normalgewichtig, haben jedoch den Wunsch, schlanker zu sein. Das Versagen bei dem Bemühen um Kontrolle und das als pervers empfundene eigene Essverhalten verursachen extreme Schuld- und Schamgefühle und isolieren die Betroffenen. Der ständige Magensaftverlust durch Erbrechen führt zu ähnlichen körperlichen Schädigungen wie der Missbrauch von abführenden und harntreibenden Mitteln; die Übersäuerung der Mundhöhle verursacht Zahnverfall.
 
 
Magersucht
Magersüchtige nehmen nur ein Minimum an Nahrung zu sich und verfolgen ihr Ziel "schlank" zu werden, mit unerbittlicher Konsequenz; ihren Leibesumfang schätzen sie wesentlich zu hoch ein. In der Regel sind sie überaktiv und entwickeln besonderen sportlichen und schulischen bzw. beruflichen Ehrgeiz. Essen wird als Triebbefriedigung gesehen und abgelehnt. Stolz und Freude finden die Betroffenen allein in der Askese. Manche hungern sich buchstäblich zu Tode. Als lebensrettende Maßnahme kann eine Zwangsernährung in einer Klinik notwendig sein.