Rückfallgedanken / Verlangen

Im Weingut wird Herr R. von einer hübschen Verkäuferin bedient, die ihm sofort mehrere Sorten Wein anbieten möchte.

Herr R. ist begeistert. Er erinnert sich, dass er ja schließlich während seiner Trinkzeit ein wahrer Weinkenner war, der die Qualität eines Weines sehr wohl herauszuschmecken verstand. Nur, dazu müsste er den Wein eben auch probieren und nicht nur wie jetzt an ihm riechen „dürfen„. Er spürt, wie ihm regelrecht das Wasser im Mund zusammenläuft und er richtig Durst bekommt. Es ist ihm außerdem peinlich, das Angebot der Verkäuferin abschlagen zu „müssen„. Er beschließt, wenigstens an einem Glas zu nippen („das ist ja noch nicht mal ein richtiger Schluck, das macht mir doch nichts aus„) um seinen Gästen auch wirklich einen guten Tropfen mitbringen zu können.

Einem Rückfall gehen meistens eine ganze Reihe typischer „Rückfallgedanken„ unmittelbar voraus.

In ihnen erinnert sich ein Abhängiger entweder plötzlich wieder all der angenehmen Wirkungen seines Suchtmittels nach dem Motto: „Mit Alkohol bin ich viel ...„ Oder er findet eine geeignete Ausrede, um sich einen Rückfall zu erlauben ( zum Beispiel: „So ein kleiner Schluck...„).

Entscheidend ist, dass solche Rückfallgedanken in entsprechenden Risikosituationen vollkommen automatisiert auftreten können und häufig mit deutlichem Verlangen nach der angenehmen Wirkung von Alkohol oder Medikamenten einhergehen.

Verlangen kann hierbei die Form annehmen von:
  •     einem unmittelbaren Drang nach Alkohol oder Medikamenten, der sich auch körperlich durch Speichelfluss, Herzklopfen oder Durstgefühl ausdrücken kann;
  •     an Entzugserscheinungen erinnernde körperliche Reaktionen wie Schwitzen, Zittern oder innere Unruhe;
  •     angenehme Gefühlszustände, wie wenn man bereits von einem Suchtmittel zu sich genommen hätte.
Viele Betroffene sind über dieses manchmal unvermittelt auftretende Verlangen schockiert und sehen darin bereits eine Ausdruck von Versagen und Willensschwäche. Dadurch wird die Rückfallgefahr allerdings weiter erhöht. Denn ein Rückfall droht nur dann, wenn Rückfallgedanken oder Verlangen die Zuversicht des Betroffenen untergraben, auf Dauer ohne Alkohol oder Medikamente leben zu können.