Ist mein Kind Computer süchtig?

Computer und Internet sind im Jahre 2008 nicht mehr aus der Arbeits- und Freizeitwelt wegzudenken. Die Menschen müssen immer länger vor den Bildschirmen sitzen und auch Kinder bzw. Jugendliche verlagern ihre Spielgewohnheiten immer mehr in die Virtualität.

Insbesondere die Heranwachsenden unterliegen der Faszination dieser interaktiven Unterhaltungsmedien – mitunter so exzessiv, dass sie mehr Zeit in der virtuellen wie in der realen Welt verbringen.

Sie retten die Menschheit, erobern Fantasywelten oder bombardieren Terroristencamps – Kinder und Jugendliche können am Computer zu Helden werden. Moderne Computerspiele fesseln mit einer Flut von Bild- und Ton-Effekten die Aufmerksamkeit und machen es leicht, der Wirklichkeit zu entfliehen. Die fantastische Umgebung, die sie erzeugen, kommt vielen Spielern aufregender vor als der Alltag mit seinem Trott in der Familie oder Konflikten in der Schule. Manche Kinder und Jugendliche finden in der virtuellen Welt Anerkennung und Erfolgserlebnisse, die sie in ihrem echten Leben vermissen.

Das macht die Faszination vieler Spiele aus, hierin steckt aber auch ihre größte Gefahr: Wenn ein Kind lernt, dass es beim Spielen schnell und ohne Probleme seine Gefühle ausleben kann, wenn es dabei seine Ängste und Frustrationen verdrängen kann und seinen Stress abbaut, dann könnte es abhängig vom Computerspielen werden.


Begriffe wie Spiel- oder Onlinesucht machen die Runde

Schon im Jahr 2004 zeigten Befragungen der Berliner Charité, dass dieses Problem recht weit verbreitet ist. Fast jedes zehnte der untersuchten Kinder erfüllte die Kriterien, nach denen die Suchtforscher exzessives Verhalten diagnostizierten, war also regelrecht süchtig  –  eine alarmierende Zahl.

Doch wann wird aus einem harmlosen Spiel ernste Computersucht? Eine Diagnose können Eltern in den aller meisten Fällen nur sehr schwer selbst stellen.

Besonders interessant für Kinder und Jugendliche, die der Realität entfliehen wollen, sind sogenannte Online-Rollenspiele wie „World of Warcraft“ oder „Final Fantasy“. Die Spieler treffen sich – über das Internet miteinander vernetzt – in virtuellen Welten und lösen Aufgaben: In „World of Warcraft“ erkunden sie zum Beispiel fremde Phantasielandschaften, in denen sie Monster zur Strecke bringen. Dabei schließen sie sich zu Gruppen zusammen, um gegnerische Städte anzugreifen und zu erobern. Das Kooperieren mit anderen Spielern gehört dazu – doch die anderen sitzen manchmal sogar weit entfernt auf anderen Kontinenten. So entstehen Bindungen an Menschen, die völlig unbekannt bleiben. Solche Scheinbeziehungen können im schlimmsten Fall an die Stelle echter Freundschaften treten. Jugendliche fühlen sich in diesen Rollenspielen mitunter stärker geachtet als im wahren Leben. Dazu kommt, dass die spannende Handlung in der Computerwelt immer weiter läuft - die Folge: Manche Spieler stellen sich nachts den Wecker, um den Anschluss ans Spiel nicht zu verpassen. So verändert sich nach und nach das Leben eines computersüchtigen Kindes. Statt sich mit Freunden zu treffen, kreist das Denken immer stärker um das Spiel, betroffene Kinder ziehen sich zurück und vernachlässigen die Schule. Und das Kind schafft es immer weniger, seine Probleme außerhalb der Welt des Spiels in den Griff zu bekommen. Experten raten Eltern daher, das Verhalten ihres Kindes genau zu beobachten. Kapselt es sich ab? Reagiert es seine Emotionen immer mehr in der virtuellen Welt ab?