Das schreibt Diakonieverbund Sucht in der Region Osnabrück - Emsland zum Thema Computersucht

Synonyme: Internet Addiction, Pathologischer Internetgebrauch, Internetsucht, Medienabhängigkeit

Von 60 Millionen Deutschen, die das Internet nutzen, sind laut wissenschaftlichen Studien 3,2 % onlinesüchtig und 6,6 % gefährdet. Das sind weit über 2 Millionen Betroffene - und täglich werden es mehr.

Die Onlinesucht ist eine Suchtform, die (wie auch z. B. die Spielsucht) zu den nicht-stoffgebundenen Abhängigkeiten oder Verhaltenssüchten gerechnet wird. Folgende Verhaltenssüchte gibt es:
  •         Pathologisches Glücksspiel (ICD 10 Diagnose F 63.2)
  •         Online- /Mediensucht
  •         Kaufsucht
  •         Arbeitssucht
  •         Sexsucht
  •         Sportsucht
Nicht der PC, das Internet, das Handy oder die Playstation machen abhängig, sondern die Tätigkeit, die man exzessiv damit ausübt:
  •     der exzessive Konsum von Chat- und Kommunikationssystemen
  •     das stundenlange Spielen und Handeln über das Netz
  •     das stundenlange konsumieren von Sexseiten
  •     das zwanghafte Suchen nach Informationen im Netz
  •     die zwanghafte Beschäftigung mit dem Computer an sich
Es bedarf keiner besonderen Voraussetzungen, um süchtig zu werden, nur eines Menschen, der aufgrund seines Wesens, seines Umfeldes und seiner genetischen Anlagen als generell suchtgefährdet und labil einzustufen ist. Eine belastende Situation in Kombination mit einem verneinenden Konfliktlösungsverhalten kann eine Onlinesucht begünstigen. Onlinesüchtige sind sowohl männlich als auch weiblich, mal 12 Jahre alt, mal 65 Jahre alt, aber besonders oft junge Erwachsene, die häufig auch arbeits- und perspektivlos sind. Gesucht wird die heile Welt, die heile Partnerschaft ohne Ecken und Kanten. Nach und nach verschwindet der Blick für die Realität, dem Abdriften in eine Wunschwelt sind Tür und Tor geöffnet (Kontrollverlust). Einzig wichtig wird, stets online und „dabei“ zu sein, das reale Leben wird unwichtig. Aber die Sehnsüchte kann das Netz nicht stillen, und so entwickelt sich ein Teufelskreis mit allen suchttypischen Merkmalen, wie:
  •         Einengung des Verhaltensmusters
  •         Regulation von negativen Gefühlszuständen (Affekten)
  •         Toleranzentwicklung
  •         Entzugserscheinungen
  •         Kontrollverlust
  •         Rückfall
  •         Eindeutig schädliche Konsequenzen für Beruf, soziale Kontakte und Hobbys
Hinzu kommt bei vielen Fällen der Onlinesucht eine Komorbidität zu stoffgebundenen Süchten wie zu illegalen Drogen, Alkohol oder Zigaretten.

Wie erkenne ich, ob ich süchtig bin?

Im folgenden sind einige der auffälligsten Anzeichen für Onlinesucht aufgeführt:
  •     Ihre Partnerschaft und Freundschaften beginnen zu kriseln, das es häufig Stress wegen des Computers gibt
  •     Das Interesse an Offline-Geselligkeiten lässt merklich nach
  •     Besuch ist eher lästig geworden, weil Sie doch viel lieber am Computer sitzen würden
  •     Falls Sie (noch) berufstätig sind, lässt Ihr Elan und Engagement im Betrieb merklich nach und sie nutzen den betrieblichen Computer zu privaten zwecken
  •     Ihnen macht der mangelnde Schlaf zu schaffen und Sie sind erschöpft
  •     Sie gehen statt real zu shoppen, viel lieber online einkaufen
  •     Ihre Kondition lässt merklich nach, da die Bewegung an der frischen Luft fehlt
  •     Sie fühlen sich nicht mehr in die Familie integriert, sondern eher als Außenseiter
  •     das Gefühl, von Freunden, Kollegen, und der Familie nicht mehr verstanden zu werden, bestätigt sich täglich
  •     Sie kapseln sich mehr und mehr von Ihrem “alten Leben” ab.
 
Bei der Onlinesucht werden drei Bereiche unterschieden:
  • Online-Kommunikationssucht (Chat-Sucht)
    Hier geht es häufig um das Mailen, Chatten, und um Beiträge, die in Foren gepostet und von den Betroffenen zu jeder sich bietenden Gelegenheit aufgerufen werden. Häufig steckt hinter dieser       Form der Onlinesucht eine innere Einsamkeit. Latente Sehnsüchte, die nicht ausgelebt werden können. Oft werden Haushalt, die Versorgung der Kinder und der Partner vehement vernachlässigt, teilweise gar nicht mehr wahrgenommen.
  • Online-Spielsucht (Online-Rollenspiel-Sucht und Online-Glücksspiel-Sucht)
    World of Warcraft, Second Life, Pocker etc. Die Onlinespielsucht tritt zu 75 % bei Jugendlichen auf, meist bei den Jungen.
    Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, die dem Rollenspiel verfallen sind, leben in diesem Spiel, in ihrem “erarbeiteten Charakter” und mit ihren virtuellen Freunden und Gegnern. Alles andere ist unwichtig
  • Online-Sexsucht (Cybersex-Sucht)
    Cybersex nennt man die verbale und visuelle Form von Erotik und Sex, die letztlich zur phantasievollen Selbstbefriedigung dient. Dabei ist es unerheblich, ob die Abhängigkeit sich auf das Betrachten oder „Runterladen von Sex-Pics oder -Videos“ (Speichern von Akt-Fotos oder Videos auf dem Rechner) oder auf interaktive Sex-Konversation (dirty talk) bezieht. Beides kommt letztlich auf das Gleiche hinaus.     Online-Sex ist einfacher als realer Sex. Dadurch, dass man seine Triebe ständig stressfrei abbauen kann, ist man auch vor den Unsicherheiten und den Verletzungsmöglichkeiten einer Beziehung geschützt.